Chancen und Risiken

Eine Psychotherapie beinhaltet, wie jede Behandlung, Chancen, Risiken und auch Nebenwirkungen.

Hier möchte ich Sie darüber aufklären - damit Sie, ergänzend zu dem, was wir in unseren Gesprächen zusammen tragen und besprechen, eine informierte Entscheidung für oder gegen eine psychotherapeutische Behandlung treffen können.

Eine Erfolgsgarantie kann es nicht geben, ich werde mich aber bemühen, Ihnen eine gute Grundlage für Ihre Entscheidung zu geben.

Hier finden Sie allgemeine Informationen darüber, wie eine Psychotherapie abläuft und was dazu beiträgt, dass sie gelingt.

Nachteile von Psychotherapie

Zeitaufwand und aktive Mitarbeit

Psychotherapie ist mit Zeitaufwand verbunden. Zum einen die Zeit, die sie mit Anfahrt und den Therapiesitzungen selbst verbringen, zum anderen das, was zwischen den Sitzungen für die Therapie erarbeitet und umgesetzt wird.

Das kann die Beantwortung von Fragebögen beinhalten, das können systematische Beobachtungen sein, Verhaltensexperimente oder anderes. Die entscheidenden Dinge passieren oft zwischen den Sitzungen, Ihre Mitarbeit ist erforderlich.

(In der Praxis haben Sie keine Wartezeiten, die Termine fangen pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit an.)

Diagnose

Psychotherapie wird von den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen nur bezahlt, wenn eine "behandlungsbedürftige Störung mit Krankheitswert" vorliegt und eine entsprechende Diagnose gestellt wird. Es kann sein, dass Sie sich behandlungsbedürftig fühlen, aber keine Diagnose haben möchten, z.B. weil Sie in der Zukunft eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchten oder eine andere Versicherung, die Sie vor Vertragsabschluss nach Ihrer Krankengeschichte fragen wird. Bei schweren - chronischen - psychischen Erkrankungen kann sich dies auch auf eine mögliche Verbeamtung auswirken. Bei einer Behandlung, die selbst bezahlt wird, muss keine Diagnose vorliegen.

Kosten

Psychotherapeuten sind Spezialisten und werden entsprechend bezahlt. Die Sitzungen sind eine finanzielle Belastung - je nach Kostenträger für die Krankenkassen oder für Sie selbst. Der Ausfall, der entsteht, wenn eine Sitzung nicht oder zu spät abgesagt wird, ist in jedem Fall von Ihnen zu tragen - unabhängig davon, warum Sie den Termin nicht wahrnehmen konnten.

Sich auch mit unangenehmen Dingen auseinandersetzen

In der Therapie geht es darum, neue Perspektiven zu entwickeln. Das bedeutet, Ressourcen, positive Kräfte und Fähigkeiten wieder aufzubauen und wahrnehmen zu können, das bedeutet auch, Schwächen und negative Muster zu erkennen. Das führt mitunter auch zu unangenehmen Gefühlen in der Therapie.

Negative Reaktionen des Umfelds

Nicht alle reagieren begeistert, wenn sich jemand anders verhält als gewohnt. Manchmal belasten psychotherapeutische Veränderungen bestehende Beziehungen.

Vorteile von Psychotherapie

Seelisch

Psychotherapie hilft nachgewiesenermaßen. Nicht bei allen, und nicht bei allen gleich, aber Sie haben sehr gute Chancen, dass es Ihnen seelisch zumindest besser geht. Menschen erreichen durch Psychotherapie mittelfristig eine deutliche Verringerung ihrer psychischen Beschwerden und eine Verbesserung der Lebensqualität. Langfristig erzielen Psychotherapiepatienten stabile Behandlungserfolge. Nach 6 bis spätestens 12 Sitzungen ist ein positiver Effekt zu erwarten. Lesen Sie hier mehr dazu.

Symptomreduktion

Die Verhaltenstherapie hat wirksame Methoden entwickelt, auf Symptome psychischer Störungen direkt einzuwirken und diese zu verändern. Es braucht Zeit und konsequente Anwendung, damit diese Wirkung einsetzen kann.

Körperlich

Psychotherapie kann auch positive Effekte auf den Körper haben, selbst wenn das nicht beabsichtigt war. Z.B. wirken sich bessere Entspannungsfähigkeiten positiv auf das Immunsystem aus, antidepressive und angstvorbeugende Maßnahmen wie regelmäßige sportliche Aktivitäten wirken sich positiv auf Ihre Kondition aus, eine verbesserte Schlafqualität sorgt dafür, dass der Körper sich nachts regenerieren kann, usw.

Eine Verbesserung des körperlichen Zustands kann eine positive Begleiterscheinung von Psychotherapie sein. Negative Auswirkungen auf den Körper sind nicht bekannt.

Beziehungen zu anderen

Psychotherapie kann dabei helfen, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle in den Beziehungen zu anderen Menschen besser wahrzunehmen, zu verstehen und besser dafür zu sorgen, dass diese erfüllt werden können.

Psychotherapie kann auch dabei unterstützen, die Gefühle und Bedürfnisse von anderen Menschen besser wahrzunehmen, zu verstehen und gut damit umzugehen.

Es kann zum Beispiel die Beziehung zum Chef verbessern, wenn ein Patient lernt, sich in angemessener Weise abzugrenzen, gut mit Kritik umzugehen, für seine Rechte einzustehen, selbstsicherer zu werden.

Es kann die Beziehung zu Angehörigen verbessern, z.B. wenn ein Patient lernt, sich in die Perspektive der anderen hinein zu versetzen, in Konflikten zu Lösungen zu finden, statt bei Schuldfragen zu verharren, selbstsicherer wird.

Eingefahrene Muster durchbrechen: Chronische Depressionen können zum Beispiel dazu führen, dass jemand, der depressiv ist, von anderen als unfreundlich wahrgenommen wird, obwohl er es gar nicht ist. Wenn derjenige dann ständig wiederum unfreundlich oder ablehnend behandelt wird, auch von unbekannten Menschen, entsteht ein Teufelskreis. In der Therapie können Sie lernen, solche Teufelskreise zu durchbrechen, Ihre Wirkung auf andere besser einzuschätzen und zu steuern. Andere Menschen reagieren positiver, sind freundlicher, hilfsbereiter, kommen ihnen bereitwilliger entgegen, freuen sich, dass Sie da sind. Das tut gut.

Beziehung zu sich selbst

Psychotherapie kann Ihnen helfen, sich selbst anzunehmen, zu schätzen, gut für sich selbst zu sorgen, Lob und Komplimente annehmen zu können, sich positive Erlebnisse zu verschaffen, den Selbstwert zu steigern, Sinn zu finden.

Psychotherapie kann Ihr Leben bereichern, auch über den Anlass für die Therapie hinaus!

 

Und schließlich:

Der Nutzen für andere

Sowohl Ihre Angehörigen, Kinder, Partner, Freunde, etc., als auch Ihre Kollegen, Arbeitgeber, die Volkswirtschaft, die Krankenkasse, die Gesellschaft insgesamt profitieren, wenn es Ihnen besser geht, wenn Sie wieder leistungsfähiger werden. Es würde sehr weit führen, hier alles aufzuzählen - angefangen von dem Nutzen für Kinder psychisch erkrankter Eltern bis hin zum volkswirtschaftlichen Nutzen durch die rechtzeitige Behandlung psychischer Erkrankungen. 

 

Risiken - mögliche Nebenwirkungen

Sie können sich - meist vorübergehend - schlechter fühlen, die Symptome können im Lauf der Therapie stärker werden, Sie können sich aufgrund der Beschäftigung mit belastenden Themen depressiver fühlen.

Die Psychotherapie und die Veränderungen können Beziehungen belasten, private, berufliche, familiäre oder andere.

Sie können sich zu sehr mit Ihrer Diagnose, mit der "Krankenrolle" identifizieren.

Sie können das Gefühl haben, abhängig von Therapie zu sein.

Hier finden Sie eine gute Beschreibung dieser und weiterer möglicher Probleme, die in einer Psychotherapie auftauchen können und was man dagegen tun kann.

 

Alternativen

Die Alternativen zu einer psychotherapeutischen Behandlung unterscheiden sich, je nachdem, um welche Syndrome (Beschwerden) es geht und wie schwerwiegend diese sind.

Bei leichteren Störungen können auch Gespräche mit Laien hilfreich sein, das können zum Beispiel Freunde, Bekannte, Angehörige, ehrenamtliche Helfer oder Selbsthilfegruppen sein.

Bei Suchtproblemen bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Auch wenn außerdem zum Beispiel Depressionen oder andere psychische Erkrankungen bestehen, ist die Behandlung der Sucht vorrangig. In der Suchtberatungsstelle Nürtingen finden Sie Hilfe. Auch wenn Angehörige Suchtprobleme haben.

Zahlreiche Selbsthilfebücher für die jeweiligen Störungen können hilfreich sein, psychotherapeutische Techniken, auf das jeweilige Problem zugeschnitten, bei sich selbst anzuwenden. "Achtsamkeit" und "Akzeptanz" sind Stichwörter, zu denen es viele gute Ratgeber gibt.

Leichte Störungen, z.B. leichte Depressionen, können auch unbehandelt besser werden.

Medikamente sind bei vielen Störungen, z.B. Depressionen, ebenfalls wirksam. Bei schweren Störungen manchmal unverzichtbar.

Achtung: Bei schwereren Störungen sollten Sie nicht einfach "zuwarten", ob sich von alleine eine Besserung einstellt. Schizophrenien, Bipolare Störungen, Essstörungen, schwer ausgeprägte Depressionen u.a. psychische Krankheiten können lebensbedrohlich sein. Auch bei schweren psychischen Störungen ist jedoch eine rein medikamentöse Behandlung (die ein Psychiater durchführt) eine Alternative zu einer Psychotherapie in Kombination mit der Pharmakotherapie. (Beachten Sie die Hinweise unten auf dieser Seite)

Tägliche sportliche Aktivitäten im Freien senken den Stresslevel wirksam, besitzen eine nachgewiesene Wirksamkeit bei Depressionen und Angststörungen.

Volkshochschulen bieten Kurse an, um Entspannung zu lernen, häufig gibt es auch Selbstsicherheitstrainings und Stressbewältigungsangebote bei den VHS.

Kirchliche Träger (Caritas, Diakonie) bieten sowohl psychologische (Einzel- und Paar-)Beratung, als auch Kurse an.

Im Landkreis Esslingen bietet die Beratungsstelle für Familie und Jugend u.a. Online-Beratung an.

Einige Krankenkassen (z.B. AOK) bieten Programme für Stressreduktion und psychische Gesundheit (z.B. "Lebe Balance").

Die Sozialdienste der Städte unterstützen in Notlagen und Krisensituationen, auch bei praktischen Problemen (häusliche Gewalt, Wohnungsnot, etc). In Nürtingen z.B. hier.

 

Psychotherapeutische Alternativen

Analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sind zwei alternative psychotherapeutische Verfahren, die ebenfalls von den Krankenkassen übernommen werden. Beide gehören zu den Psychodynamischen Verfahren, die einen ähnlichen theoretischen Hintergrund haben.

Auch die Systemische Psychotherapie ist nachgewiesenermaßen wirksam, muss aber selbst bezahlt werden. Das gleiche gilt für die Gesprächpsychotherapie.

Meine Ausbildungen und angebotenen Leistungen umfassen die Verhaltenstherapie und die Gesprächspsychotherapie.

Hier finden Sie einen guten Überblick über die Unterschiede zwischen den Therapieverfahren von der Apotheken-Umschau.

Welches Therapieverfahren indiziert ist, hängt von der Art der Störung ab. Auch Ihre persönlichen Vorlieben sind wichtig. Entscheidender als das Therapieverfahren selbst ist, dass die Person des Psychotherapeuten, der Psychotherapeutin, zu Ihnen passt, dass eine gute, vertrauensvolle Beziehung besteht.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung können Sie hier gezielt nach KollegInnen suchen.

Was Psychotherapie nicht kann

Manche, die zu mir kommen, versprechen sich leider auch zu viel von einer Psychotherapie. Manche, die sich Psychotherapeuten nennen, versprechen auch den Hilfesuchenden zu viel - zum Beispiel: Heilung von schweren körperlichen Krankheiten, wie Krebs, durch die Macht der Gedanken. Wenn dies misslingt, ist angeblich immer der Patient Schuld, nie das falsche Versprechen.

Ihr Umgang mit Ereignissen, mit sich selbst, wie Sie denken, wie Sie Dinge verarbeiten, bewerten, kann sehr viel bewirken. Aber die psychologischen Mittel sind keine Wunderwaffen gegen alles.

Ihr Verhalten, wie Sie mit sich selbst umgehen, wie Sie andere Menschen behandeln, was Sie tun oder lassen, verändert sehr viel. Es ist jedoch unrealistisch, sich selbst so zu "optimieren", dass man ein ganz neuer Mensch wird, der optimal lebt, nie Dinge aufschiebt, alles gesunde tut und alles ungesunde lässt. Kurzfristig ist dies sicher erreichbar, zum Beispiel mit Hilfe eines starren Sekten-Systems. Langfristig wird es nicht funktionieren. Weil auch Unperfektheit menschlich ist.

Und ich kann es leider auch nicht für Sie tun, besser für sich sorgen, Dinge umsetzen, die kurzfristig schwer fallen, aber langfristig positive Veränderungen bewirken.

Psychotherapie kann auch nicht andere Menschen verändern. Wenn Sie unter anderen Menschen leiden, oder unter der Gesellschaft, unter finanziellen Problemen, etc: lesen Sie bitte unter "Alternativen", welche Beratungsstellen Sie unterstützen können.

Kurzum: Psychotherapie ist kein Zaubermittel. Ich koche nur mit Wasser, kann Ihnen aber auf dieser Basis einige leckere Rezepte beibringen!

Fazit

Gerne unterstütze ich Sie bei Ihrer eigenen Entscheidung. Was in Ihrem individuellen Fall, vor dem Hintergrund Ihrer persönlichen Lebens- und Krankheitsgeschichte, bei Ihrer Symptomatik, aus meiner Sicht sinnvoll und empfehlenswert ist, bespreche ich mit Ihnen im persönlichen Gespräch.